Quer durch das Reich der Mitte

Irgendwie ging alles ganz schnell. Papa ist ganz früh morgens von Urumqi nach Shanghai geflogen um sich dort im United Family Hospital operieren zu lassen. Parallel ist Luo Haiyang – der Freund von meinem Vater – nur mit Unterwäsche und Socken im Gepäck von Shanghai eingeflogen. Haiyang ist kurz nach dem Mittag angekommen, hat gleich Papas Motorrad überprüft und ein paar Kleinigkeiten repariert. Am späten Nachmittag waren wir dann schon wieder unterwegs Richtung Osten. Es lagen noch ca. 5000km vor uns. Jeder Tag und jede Stunde waren jetzt wichtig für uns um Shanghai bis Ende September zu erreichen.

 

Wir sind jeden Tag ganz früh aufgestanden und losgefahren. Nur so hatten wir eine Chance täglich die ca. 500km oder mehr zu schaffen. Die Route führte uns entlang der Seidenstraße durch die Provinz Gansu mit der bekannten Stadt Lanzhou und dann weiter in die Provinz Shananxi Richtung Xian. Die Stadt Xian liegt ungefähr in der Mitte von China und ist bekannt durch die Ausgrabung der weltberühmten Terracotta Armee.  Wir brauchten 5 volle Tage bis wir endlich in Xian waren. Es war eine spannende und lehrreiche Zeit. Haiyang hat mir viel über die Menschen, das Land und deren Kultur beigebracht.

Das Fahren durch China ist zum Teil einfach und zum Teil sehr herausfordernd. Die Autobahnnetz in China ist gut ausgebaut und im erstklassigen Zustand. Je weiter östlich um so mehr Verkehr ist auf den Straßen. Bis kurz vor Xian hatten wir überwiegend leere Autobahnen. Ab Xian wurde es schlagartig anders. Nicht nur der Verkehr aber auch das Wetter. Vorher hatten wir jeden Tag blauen Himmel und nun Regen, Regen und nochmals Regen. Der Regen aber war nicht das größte Problem. Es gab immer wieder Abschnitte wo es nicht bzw. nur wenig geregnet hat.

 

In China dürfen Motorräder nicht auf Autobahnen fahren. Autobahnen sind ausschließlich für Autos und LKWs. Der Grund liegt vermutlich darin das viele lokale Motorräder und Fahrer nicht ausreichend ausgestattet und ausgebildet sind – insbesondere in den ländlichen Gegenden.

Um Shanghai rechtzeitig zu erreichen müssen wir aber die Autobahn nutzen. Die Fahrt über Land- und Bundestrassen wäre einfach zu langsam.

Wir mussten also jeden Tag unerlaubt auf die Autobahn fahren. Das war wirklich nicht einfach denn an jeder Autobahn Auf- und Abfahrt gibt es immer ein Tool Gate mit Schranken. Haiyang kannte die Schachstelle bzw. ein Trick mit dem wir uns am Tool Gate durchschleichen konnten. Wir sind bei der Anfahrt zum Tool Gate immer dicht hinter einem LKW gefahren. So konnten uns die Mitarbeiter am Tool Gate nicht sehen und sind so oft unbemerkt neben dem LKW durch das Tool Gate fahren.

Jedes Mal war es sehr spannend, werden wir durchkommen, wird uns jemand aufhalten oder steht zufällig die Polizei hinter dem Toll Gate und wird uns stoppen. Irgendwie waren wir Glückpilze den fast immer sind wir so unbemerkt auf die Autobahn gekommen. Nur so waren wir in der Lage den engen Zeitplan einzuhalten. Irgendwie verrückt was wir da gemacht haben.

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