Georgien, der Kaukasus und die Weinregion Kachetien

Am 23.09. bin ich nach Georgien eingereist. Ab hier bis nach Hause brauche ich keine Visa mehr. Ich liege gut in der Zeitplanung, daher kann ich runter vom Gas.

Ich fahre auf der alten Heerstraße Richtung Süden. Um mich herum eine fantastische Sicht auf die hohen Gipfel des Kaukasus. Auf der rechten Seite sehe ich auf einem Berg die Gergeti Dreifaltigkeitskirche und dahinter den knapp über 5.000 Meter hohen, schneebedeckten Berg Kasbek.

 

Das Ende der Gastfreundlichkeit

Zu der Kirche führt eine Straße, auf der die kleinen Minibusse die Touristen zu der Kirche bringen. Von dort erlebt man bestimmt einen fantastischen Blick auf den Kaukasus, denke ich mir, und so beschließe ich, auch dorthin zu fahren. Leider wird es schon nach wenigen Kilometern eng, steinig und sehr steil. Nicht die besten Bedingungen für ein voll beladenes Motorrad. Ein paar hundert Meter weiter bleibe ich tatsächlich in einer Fahrrinne stecken, große Steine versperren mir den Weg. Erstmal denke ich mir nichts dabei, erfahrungsgemäß kommt gleich der nächste Touristenbus und mit der Hilfe des Fahrers und ein bisschen schieben käme ich schon den Berg hoch. Leider habe ich mich diesbezüglich verkalkuliert. Tatsächlich ist der nächste Bus wenige Minuten später da, aber statt mit Hilfe werde ich mit schrillem Hupen und lautstarken Beschimpfungen begrüßt. Es bleibt mir nichts mehr übrig, als schnell durch Gepäckabnahme das Gewicht des Motorrads zu reduzieren und es irgendwie von der Piste zu schieben, damit das Fahrzeug passieren kann. Tja, willkommen in den touristisch stark erschlossenen Regionen der Erde, hier endet eindeutig die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft.

Um Schaden am Motorrad und weiteren Ärger zu vermeiden, beschließe ich, abzubrechen und den Ausblick von der Passstraße aus zu genießen. Nach 45 km erreiche ich die Ortschaft Gudauri. Es ist das Zentrum des Skisports der Region, entsprechend ist es nicht schwierig, eine Unterkunft zu finden. Auf beiden Seiten der Straße unzählige Hotels und Pensionen. Ich entscheide mich dazu, hier zu übernachten und einen Tag Ruhepause einzulegen. Der zweite Ruhetag seit meiner Abfahrt aus Deutschland vor 35 Tagen.

Am nächsten Tag wolkenloser Himmel und viel Schnee in den höheren Lagen. Trotz des geplanten Ruhetags setzte ich mich auf das Motorrad und fahre noch einmal die Bergstraße bis zur russischen Grenze und zurück auf der Suche nach schönen Fotomotiven. Überwältigt von der Schönheit des Kaukasus und frisch nach einer erholsamen Nacht entscheide ich mich, den Zeitplan zu sprengen und nicht direkt weiter nach Hause, sondern noch ein paar Tage durch Georgien und Armenien zu fahren. Dementsprechend verbringe ich den restlichen Tag nur am Telefon, um den beruflichen Dienstplan abzuändern. Man weiß es nie, wann die nächste Tour kommt (hoffentlich bald!), daher nutze ich die Gelegenheit und fahre mal noch weiter in die schöne Welt hinaus.

Die Wiege des Weinbaus

Am nächsten Tag geht es auf der Passstraße weiter Richtung Hauptstadt Tibilisi. Eine Großstadt besuche ich aber nur wenn ich beispielsweise Ersatzeile, eine Werkstadt, oder eine Bank benötige (oder einen Flughafen, um die Flucht zu ergreifen). Ansonsten gilt es für die Stadt Tibilisi mein alter Spruch: Kennst du eine Großstadt, kennst du alle! Daher mache ich einen großen Bogen um die Hauptstadt und fahre Richtung Osten in die Provinz Kachetien. Dort befindet sich die größte Weinanbauregion Georgiens. Die Region gilt als die Wiege des Weinbaus. Von dort aus, so sagt die Legende, habe sich der Wein in die gesamte Welt verbreitet. In einem der zahlreichen kleinen Weingüter finde ich eine Übernachtungsmöglichkeit. Nach einer leckeren Mahlzeit mit der georgischen Spezialität Chinkali ( große, mit Fleisch gefüllte Teigtaschen), widme ich mich dem Weingenuss.

Am nächsten Tag geht es über den 1.620 m hohen Gombori Pass weiter Richtung Südwesten zu dem Grenzübergang mit Armenien bei Bagratashen.

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